Nano Chala – Äthiopien gewaschen

Wir haben einen neuen gewaschenen Kaffee aus Äthiopien und zwar den von der Nano Chala Aufbereitungsstation.

Dieser Kaffee ist für uns in jederlei Hinsicht besonders, denn nicht nur sind gewaschene Kaffees aus Äthiopien mit die wichtigsten Kaffees für uns, sondern Matthias war auch 2014 vor Ort und hat sich die Aufbereitungsstation angeschaut.

Außerdem ist der Kaffee von Nano Chala das Ergebnis einer Reihe von Bemühungen, die Qualität des Kaffees und damit die wirtschaftliche Grundlage der Kaffeefarmer nachhaltig zu verbessern.

Djimma – eine verlorene Region?

Der Kaffee kommt aus der Region Djimma, einer Region, aus der bisher eher die Typen Djimma Grade 5 bzw. auch Grade 4 kommen. Das Grading-System dient zur Klassifizierung äthiopischer Kaffees anhand ihrer Qualität. 4 und 5 ist eher sehr weit unten angesiedelt und für den Spazialitätenkaffeemarkt, also die Kientel, die rückverfolgbare und geschmacklich beachtenswerte Kaffees sucht, nicht interessant. Gleichzeitig sind genau das die Käufer, die Prämien zahlen und die Produktion lohnenswert machen. Gerade Low-End-Kaffees sind durch die Flut an schlechten Kaffees aus Vietnam und anderen Ländern, die ihre Produktion besser skalieren könnten, in Bedrängnis geraten. Die Folge ist, dass viele Farmer ihre Sträucher ausreißen und sich vom Kaffee abwenden.

Ausweg durch Kooperation und technologischen Fortschritt

Die NGO Technoserve, die von der Bill & Melinda Gates Foundation finanziert wird, hat es sich zur Aufgabe gemacht, neue Aufbereitungsstationen für gewaschene Kaffees in Ostafrika zu bauen. Kurioserweise haben sie vor ca. 6 Jahren in Tansania angefangen, wovon übrigens auch Amkeni profitiert hat.

Technoserve ist vor allem in Westäthiopien aktiv und was sie dort vollbringen ist quasi eine Revolution! Dort wurden in den letzten Jahren neue Aufbereitungsstationen für gewaschene Kaffees eingerichtet und diese wurden wiederum jeweils mit einem sogenannten Eco-Pulper ausgestattet. Dieser wird von der kolumbianischen Firma Penagos hergestellt.

Im Vergleich zum herkömmlichen Pulper, also der Maschine, die das Fruchtfleisch von den Kaffeekirschen entfernt, entfernt dieser mechanisch 90% der Mucilage, der klebrigen Schicht um die Bohnen herum. Dadurch dauert die anschließende Fermentation nur 8 statt 48 oder gar 72 Stunden. Außerdem wird dramatisch viel weniger Wasser benötigt.

Diese Technologie ist auf sie viele Weisen hilfreich für die Farmer, und sie schafft es, eine ganze Region für den Spezialitätenkaffeemarkt zu Leben zu erwecken.

Konzentration einer Varietät: 1274

Typischerweise werden die Varietäten in Äthiopien als Local Heirloom angegeben. In Nano Chala wachsen auch diese verschiedenen indigenen Varietäten, allerdings wird in den letzen Jahren der Schwerpunkt auf den verbesserten Varietäten 1274 und 1272 gelegt. Das sind Züchtungen, die vom nationalen Forschungsinstitut kommen und verschiedene Vorteile haben. Es ist ein (notwendiger) Trend in den Anbauländern, dass dem Klimawandel Rechnung getragen wird und Varietäten gefunden werden, die unter anderen klimatischen Bedingungen gedeihen. Die höhere Uniformität trägt sicherlich auch dazu bei, dass sich der Kaffee gleichmäßiger rösten und brühen lässt und damit noch süßer ist.

Prepicking für noch mehr Süße!

Aber damit hört es nicht auf, denn die Farmer sind angehalten, besonders gleichmäßig zu pflücken und die Kirschen werden nach der Ernte noch einmal nachsortiert und nicht nur unreife, sondern auch überreife Kirschen heraussortiert. Ziel ist es, dass weniger Kirschen zu Floatern werden, die wiederum als Quaker enden würden, also als Bohnen, die beim Rösten keine Farbe annehmen. (Nicht braun werden, weil der Zuckeranteil zum Karamellisieren fehlt – richtig: Kaffee hat eine natürliche Süße!) Überreife werden deshalb heraussortiert, damit die Bohnen einen möglichst gleichmäßigen Anteil an Mineralien haben und sich noch gleichmäßiger Rösten, damit die Süße der Kaffees und die Balance, also das Zusammenspiel aus Säure und Bitterkeit noch besser werden.

Oromia Union – Kooperative Strukturen

Die Nano-Chala Aufbereitungsstation hat sich der Oromia-Union angeschlossen, einer Vereinigung von Farmern, die sich zum Ziel gesetzt hat die einzelnen Farmer zu stärken und deren Interessen zu stärken. Deren Vorsitzender ist Tadesse Meskela, der auch aus dem Film Black Gold von 2006 bekannt ist. 2014 hatte Matthias das Privileg, ihn in Addis Abeba zu treffen und mit ihm eine Auswahl von deren Kaffees probieren.

Die Vorteile, sich in einer Union zu organisieren, sind vielfältig. Zum Einen verfügt die Station über eine hochmoderne Dry Mill. Das ist eine Anlage, in der mehrere Maschinen stehen, die (1.) das Pergamenthäutchen, das die Bohnen umschließt, entfernt wird, und (2.) die Kaffees in verschiedenen Stufen sortiert und damit die Qualität verbessert.

Unions dürfen Kaffees direkt verkaufen

Ein weiterer entscheidender Vorteil der Unions neben der aktuell modernen Dry Mill, ist die Tatsache, dass über die Unions der Kaffee direkt an Importeure verkauft werden darf. Äthiopien geht in dieser Hinsicht einen etwas eigenen Weg, denn es hat vor einigen Jahren den ECX eingerichtet (Ethiopian Coffee Exchange), eine Auktionsplattform über die alle Kaffees gehandelt werden. Dies soll gewährleisten, dass die Farmer die Preise kennen, die für Ihre Kaffees erzielt werden und dadurch ihre Macht stärken. Ein Nachteil dieses Systems ist allerdings, dass das System anonymisiert ist, was es schwierig macht, den Farmer zurückzuverfolgen. Das System ist also transparent, aber nicht rückverfolgbar.

Das ECX-System ist schlecht, oder?

Aufgrund der fehlenden Rückverfolgbarkeit, könnte man jetzt schnell zu dem Schluss kommen, dass das ECX-System nicht optimal ist. Tatsächlich habe ich dieses Vorurteil schon öfter gelesen, aber seit ich es selbst gesehen und mit Leuten vor Ort besprochen habe, wäre ich da etwas vorsichtig mit der Beurteilung, denn ich denke, dass es wirkungsvoll verhindert, dass die Farmer nicht den Preis bekommen, der ihnen für ihre Arbeit zustehen würde, wie es früher wohl regelmäßig passiert ist. Für den Spezialitätenkaffeemarkt, der die höchsten Preise bezahlt, gibt es auch mit ECX einen Weg, von privaten Aufbereitungsstationen Kaffees rückverfolgbar zu bekommen.

Liz mit Nano Chala 3. beim deutschen Brewers Cup

Wir sind sehr glücklich darüber, dass wir einen solchen Kaffee haben. Urpsrünglich haben wir ihn auf Wunsch von Liz gekauft, die damit beim deutschen Brewers Cup 2016 angetreten ist und sensationell 3. geworden ist!!

Fakten:

  • Aufbereitungsstation: Nano Chala
  • Anbauland: Äthiopien
  • Region: Djimma
  • Zone: Agaro
  • Varietäten: locale indigene und 1274
  • Anbauhöhe: 2000m
  • Anzahl der Farmer: ca. 400