New seminar dates every first friday of the month! // Free international shipping available
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February 16, 2026
(English version below)
1) Ein Jahr, das weniger verzieh
Wenn wir im Winter 2025/2026 auf 2024 zurückblicken, sehen wir einen Kaffeemarkt, der sich deutlich verändert hat: Planbarkeit hat abgenommen, Preise haben sich schneller bewegt, und viele Akteur*innen entlang der Wertschöpfungskette standen unter größerem wirtschaftlichem Druck als in den Jahren zuvor. 2024 war ein Jahr, in dem sich Unsicherheit nicht wie Ausnahme anfühlte, sondern wie ein neues Grundrauschen.
Gleichzeitig konnten wir selbst wichtige Fortschritte machen: Durch Reisen nach Ruanda und Kolumbien haben wir Lieferketten verkürzt, Beziehungen vertieft und Kaffees eingekauft, deren Transparenz wir nicht nur dokumentieren, sondern persönlich nachvollziehen konnten. Zudem konnten wir einige Farmer*innen bei uns in der Rösterei begrüßen und gemeinsam Kaffees verkosten. Nähe ersetzt keine Struktur – aber sie schärft Verantwortung. Und sie verändert, wie man auf Zahlen blickt.
2) Was Transparenz für uns bedeutet
Transparenz ist für uns kein Marketinginstrument. Sie ist ein Wert, eine Haltung und ein Werkzeug: ein Mittel, Entscheidungen nachvollziehbar zu machen, Verantwortlichkeiten sichtbarer werden zu lassen und Wertschöpfung gerechter zu gestalten. Gerade in einem Marktumfeld, das zunehmend von Unsicherheit, Preissprüngen und stärkerem Wettbewerb geprägt ist, gewinnt Transparenz an Bedeutung.
Transparenz heißt für uns: nachvollziehbar machen,
Dazu gehören verschiedene Ebenen: Herkunftsdaten, Qualitätsparameter, Preisindikatoren und strukturelle Rahmenbedingungen. Nicht jede Information lässt sich veröffentlichen – aber jede Information, die wir teilen, soll nachvollziehbar und begründbar sein.
Transparenz bedeutet auch, Grenzen offen zu benennen: Wenn Daten nur aggregiert vorliegen, wenn Verträge Vertraulichkeit erfordern oder wenn Partner*innen im Ursprung um Zurückhaltung bitten, dann gehört auch diese Erklärung zur Transparenz. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Informationen in alle Richtungen stärkt Vertrauen.
3) Marktentwicklung 2024: Volatilität als neue Normalität
2024 war ein Jahr gesteigerter wirtschaftlicher Spannung im Kaffeemarkt. Die Börsenpreise für Arabica und Robusta unterlagen starker Fluktuation und stiegen insgesamt erheblich. Die Auswirkungen dieser Preisschwankungen waren im Specialty-Sektor deutlicher zu spüren als in vielen Jahren zuvor. Globale Marktbewegungen bildeten sich über Auf- und Abschläge (Differentials) verstärkt ab – der Zusammenhang zwischen Börsenpreis und Specialty-Preisbildung trat so sichtbar hervor wie selten.
Im Jahresverlauf orientierten sich auch nicht börsengehandelte Kaffees zunehmend indirekt an globalen Marktbewegungen. Gespräche über Preise entlang der Wertschöpfungskette wurden kontextspezifischer, Zeitpunkte von Vertragsabschlüssen relevanter. Ein prägender Moment war der Einkauf eines Robustas, bei dem wir mit deutlich höheren Preisen konfrontiert wurden, als wir erwartet hatten. Gespräche mit Importeur*innen zeigten schnell: Teilweise wurden mehr Kontrakte gehandelt, als später Kaffee geerntet wurde – es wurde im Markt spekuliert. Dieses Plus an spekulativem Handel führte zu deutlichen Preissteigerungen, begleitet von hoher Volatilität.
Anstatt schnell zu reagieren, haben wir gelernt. Während unserer Reise nach Ruanda wurde deutlich, wie eng Marktmechanismen, Währungsentwicklungen, Risiko und Wertschöpfung miteinander verbunden sind. Gespräche mit unseren Stakeholder*innen wurden ausführlicher, Hintergründe wichtiger. Gleichzeitig mussten Entscheidungen schneller getroffen werden. Diese Kombination – mehr Tiefe bei weniger zeitlichem Spielraum – prägte das Jahr.
Diese Volatilität entwickelt sich zu einer zunehmend ernstzunehmenden Belastung für Lieferketten. Die Vorstellung, dass ein beliebiger Kaffee jederzeit verfügbar ist, hat deutlich an Selbstverständlichkeit verloren. Diese Realität verändert nicht nur Entscheidungen, sondern auch Bewusstsein.
4) Transparenzübersicht 2024: Zahlen, die man einordnen muss
Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, die Daten des Jahres im Kontext zu betrachten.
Im Jahr 2024 haben wir insgesamt 35 Lots eingekauft. Davon waren 29 Lots vollständig transparent dokumentiert, 6 Lots teilweise transparent – kein Lot war vollständig intransparent.
Mit einer Transparenzquote (gemessen in der Menge in kg der transparenten Kaffees) von 83,8% erreichen wir unseren bisher höchsten Wert. Insgesamt waren 86,9% unserer Rohkaffeekäufe (gemessen in Euro) transparent.
Trotz der geringeren neu kontraktierten Rohkaffeemenge ist die geröstete Menge im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. 2024 haben wir 100.471 kg Rohkaffee verarbeitet, im Vorjahr waren es 89.876 kg. Der durchschnittliche SCA-Score unserer transparenten Kaffees lag – trotz veränderter Portfolio-Strukturen – wie im Vorjahr bei 87 Punkten.
5) Fortschritte, die man nicht beschönigen muss – und neue Spannungsfelder
Besonders im Bio-Segment konnten wir Fortschritte erzielen: Bio-zertifizierte Lots, die in den vergangenen Jahren häufig nicht vollständig nachvollziehbar waren, erfüllen nun deutlich häufiger unsere Transparenzkriterien. Neu ist, dass dies zunehmend auch für biozertifizierte Kaffees größerer Volumina gilt – insbesondere für Bio-Kaffees aus Honduras und Peru, die 2024 erstmals alle Transparenzanforderungen erfüllen und somit in den Auswertungen enthalten sind.
Gleichzeitig wurden wir häufiger gebeten, Datensätze nicht lotbezogen, sondern aggregiert zu veröffentlichen. Auch das ist ein Teil des Jahres 2024: Transparenz wächst – und mit ihr die Notwendigkeit, Vertraulichkeit, Partnerschaft und Öffentlichkeit sorgfältig auszubalancieren.
Erstmals hatten wir Kaffees im Sortiment, deren Einkaufspreise zeitweise unter dem Börsenpreis (C-Market) lagen. Der Grund dafür lag nicht in „billigerem Einkauf“, sondern darin, dass der C-Market im Laufe des Jahres so stark angestiegen ist, dass er über weite Teile des Jahres deutlich über den Preisen früher abgeschlossener Kontrakte lag. (Zum Einordnen: Der Median der transparenten Kaffees lag bei $3,95 pro Pfund.)
Auch langfristige Verträge mit stabilen Preisen erscheinen rückblickend zunehmend wie ein Relikt. In dieser Form sind sie heute kaum noch möglich. Gleichzeitig verschieben sich Portfolios: Herkunftsverteilungen verändern sich, Abhängigkeiten wirken anders – oft nicht aus Strategie, sondern aus Marktrealität und Angebotslagen.
6) Grenzen sind Teil der Transparenz
Transparenz bedeutet nicht, dass alle Daten veröffentlicht werden können. Sie bedeutet nachvollziehbar zu machen, was wir wissen, was wir teilen dürfen – und warum bestimmte Informationen nicht öffentlich sind.
„Nicht veröffentlichbar“ bedeutet nicht „unbekannt“.
Dieser Satz ist nicht Ausrede, sondern Prinzip: Verantwortung heißt auch, Informationen so zu behandeln, dass Beziehungen nicht beschädigt werden – und dass das, was veröffentlicht wird, belastbar bleibt.
7) Transparenz als Entwicklung – nicht als Zustand
Seit unserem ersten Transparenzbericht 2021 hat sich unser Umgang mit Daten, Einkauf und Verantwortung weiterentwickelt. Während Transparenz zu Beginn vor allem eine Bestandsaufnahme war, ist sie heute stärker Teil unserer Einkaufs- und Dokumentationspraxis. Die Frage hat sich verschoben: von „Welche Daten sind verfügbar?“ hin zu „Welche Daten brauchen wir, um nachvollziehbar einzukaufen?“
2024 markiert eine weitere Entwicklungsstufe: Transparenz entsteht zunehmend parallel zu Einkaufsentscheidungen. Über die Jahre ist die Transparenzquote kontinuierlich gestiegen – von unter 50% auf nun 83%. Der Prozess ist damit nicht abgeschlossen, aber deutlich gereift.
8) Wie wir weiterarbeiten (2025 und darüber hinaus)
2025 erweitern wir unsere Datenerfassung durch eine digitale Rohkaffeedatenbank, die Informationen früher und zuverlässiger verfügbar macht. Gleichzeitig möchten wir weiterhin eng mit Partner*innen im Ursprung zusammenarbeiten und prüfen, wie wir besonders im Blendbereich langfristige Partnerschaften weiterentwickeln können.
Intern wollen wir Transparenz im Rohkaffeeeinkauf noch stärker verankern – insbesondere vor dem Hintergrund eines volatileren Marktumfelds, in dem Entscheidungen häufiger schneller getroffen werden müssen.
Ein langfristiges Ziel ist es, Transparenz perspektivisch über Rohkaffee hinaus auf weitere Bereiche unseres Handelns auszudehnen, etwa auf die Bäckerei, Verpackungsmaterialien und Verbrauchsmaterialien.
Schließlich hat Transparenz auch eine Dimension der Vermittlung: Wir wollen ihr künftig größeren Raum in unserer Kommunikation geben. Transparenz bleibt dabei Haltung, Werkzeug und Verpflichtung – auch in einem Markt, der mehr Bewegung und weniger Sicherheit mit sich bringt.
9) Danke
Transparenz entsteht nicht allein. Wir danken allen Produzentinnen, Importeurinnen, Exporteurinnen und Partnerinnen, die Daten teilen, Zusammenhänge erklären, Rückfragen beantworten und mit uns daran arbeiten, Kaffee nachvollziehbarer zu machen.
Transparency Report 2024 — Reader version
1) A year that was less forgiving
Looking back on 2024 from the winter of 2025/2026, one thing is clear: the coffee market changed noticeably. Predictability declined, prices moved faster, and many stakeholders across the value chain faced greater economic pressure than in the years before. In 2024, uncertainty didn’t feel like an exception—it felt like a new baseline.
At the same time, we were able to make tangible progress. By travelling to Rwanda and Colombia, we shortened supply chains, deepened relationships, and purchased coffees whose transparency we can not only document, but also grasp first-hand. We also welcomed several farmers to our roastery and cupped coffees together. Proximity doesn’t replace structure—but it sharpens responsibility. And it changes the way you look at numbers.
2) What transparency means to us
For us, transparency is not a marketing tool. It is a value, a stance, and a practical instrument: a way to make decisions more traceable, responsibilities more visible, and value creation fairer. Especially in a market increasingly shaped by uncertainty, price spikes, and stronger competition, transparency matters more—not less.
Transparency means making it possible to understand:
· whereour coffee comes from,
· who is involved,
· and how value is created along the supply chain.
This includes multiple layers: origin data, quality parameters, price indicators, and the structural conditions that shape what is possible. Not every piece of information can be published—but everything we do share should be clear, traceable, and defensible.
Transparency also means naming limits openly. If data is only available in aggregated form, if contracts require confidentiality, or if partners at origin ask for discretion, then explaining those constraints is part of transparency, too. Handling information responsibly in every direction strengthens trust.
3) Market dynamics in 2024: volatility as the new normal
2024 carried heightened economic tension in the coffee market. Arabica and Robusta exchange prices fluctuated sharply and rose significantly overall. In the specialty sector, the effects of these movements were more noticeable than in many previous years. Global market swings were reflected more strongly through differentials—making the link between exchange price and specialty price formation visible in a way we rarely see.
Over the course of the year, even coffees not traded on exchanges increasingly oriented themselves—indirectly—around global market movements. Price discussions along the value chain became more context-specific, and contract timing mattered more. A defining moment was the purchase of a Robusta, where we faced prices far higher than expected. Conversations with importers quickly made one thing clear: in some cases, more contracts were traded than coffee would later be harvested—the market had turned more speculative. This additional speculative trading contributed to sharp price increases, paired with high volatility.
Instead of reacting quickly, we learned. During our trip to Rwanda, it became clear how tightly market mechanisms, currency developments, risk, and value creation are interwoven. Conversations with stakeholders became deeper; background became more important. At the same time, decisions had to be made faster. That combination—more depth with less time—shaped the year.
This volatility is becoming a serious burden on supply chains. The notion that any coffee can be available at any time has lost much of its assumed certainty. That reality changes decisions—and it changes awareness.
4) Transparency overview 2024: numbers that need context
Against this backdrop, it matters how we read the year’s data.
In 2024, we purchased 35 lots in total. 29 lots were fully documented as transparent, 6 lots were partially transparent—and no lot was fully intransparent.
With a transparency rate of 83.8% (measured by the kg share of transparent coffees), we reached our highest value to date. In total, 86.9% of our green-coffee purchases (measured by €) were transparent.
Despite a lower volume of newly contracted green coffee, our roasted volume increased compared to the previous year. In 2024 we processed 100,471 kg of green coffee; the previous year it was 89,876 kg. The average SCA score of our transparent coffees—despite changes in portfolio structure—remained at 87 points, unchanged from the year before.
5) Progress worth naming—and new fields of tension
We made particular progress in the organic segment. Certified organic lots that were often not fully traceable in past years now meet our transparency criteria far more frequently. What’s new is that this increasingly applies to certified organic coffees in larger volumes as well—especially organic coffees from Honduras and Peru, which in 2024 met all transparency requirements for the first time and are therefore included in the analysis.
At the same time, we were more often asked to publish data sets in aggregated form rather than lot-specific form. This, too, is part of 2024: transparency is growing—and with it the need to balance confidentiality, partnership, and public communication carefully.
For the first time, we had coffees in our portfolio whose purchase prices were at times below the exchange price (C-market). The reason was not “cheaper buying,” but the fact that the C-market rose so strongly over the course of the year that it sat well above prices in earlier contracts for large parts of 2024. (For context: the median of the transparent coffees was $3.95 per pound.)
Long-term contracts with stable prices increasingly feel, in hindsight, like a relic. In this form, they are barely possible today. At the same time, portfolios shift: origin distributions change, dependencies work differently—often not by strategy, but by market realities and supply conditions.
6) Limits are part of transparency
Transparency does not mean every data point can be published. It means making clear what we know, what we are allowed to share, and why certain information cannot be public.
“Not publishable” does not mean “unknown.”
This sentence is not an excuse—it is a principle. Responsibility also means handling information in a way that does not damage relationships, and ensuring that what is published remains robust.
7) Transparency as development, not a fixed state
Since our first transparency report in 2021, our approach to data, purchasing, and responsibility has evolved. In the beginning, transparency was largely a stocktake. Today it is increasingly part of how we purchase and document. The core question has shifted: from “Which data is available?” to “Which data do we need in order to buy in a traceable way?”
2024 marks another stage of development: transparency increasingly emerges alongside purchasing decisions. Over the years, our transparency rate has risen steadily—from under 50% to 83% today. The process is not finished, but it has clearly matured.
8) How we continue (2025 and beyond)
In 2025, we will expand our data collection through a digital green-coffee database, making information available earlier and more reliably. At the same time, we want to keep working closely with partners at origin and explore how to develop long-term partnerships—especially for blends.
Internally, we want to embed transparency even more firmly in green-coffee purchasing—particularly in a more volatile market environment where decisions often must be made faster.
A long-term goal is to extend transparency beyond green coffee into other areas of our work, such as the bakery, packaging materials, and consumables.
Finally, transparency also has a dimension of communication. We want to give it more space in how we speak and write. Transparency remains stance, tool, and commitment—even in a market with more movement and less certainty.
9) Thank you
Transparency doesn’t happen in isolation. We thank all producers, importers, exporters, and partners who share data, explain context, answer questions, and work with us to make coffee more traceable.
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